Kultur Münster Untertanen bleiben dran

Münster - Wenn Songs und Satire, Spottlust und Sangeslust sich zu einem übermütigen Ganzen fügen, geben die aufmüpfigen „Untertanen“ sich die Ehre. Auch der Name, mit dem der 30-köpfige Chor kokettiert, stammt aus einem Spottlied von 1848.

 Seit ihrer Gründung 1981 wollen die Sängerinnen und Sänger dem politischen Zeitgeist musizierend den Puls fühlen. Dabei stehen sie nicht in Reih und Glied, sondern wechseln ständig die Position - tänzeln, wuseln, rezitieren und machen viele Stücke zu einer kabarettistischen „Performance“. Da könnten Notenblätter nur stören; diese Untertanen kennen ihr Repertoire an subversiver Witzigkeit auswendig.„Dranbleiben!“ hieß am Samstagabend die Devise, und der gut besuchte Waldorf-Konzertsaal johlte vor Begeisterung über das musikalische Wechselbad, das von Heinrich Schütz über Mikis Theodorakis bis zu Herman van Veen reichte. Die Untertanen singen stets voll Übermut - dabei wird denn auch mancher Satire der bittere Stachel gezogen. Sangeslust schlägt Spottlust nach Punkten, und das ist Absicht. Da wird etwa „Die achte Posaune“ mit feierlichem Pathos wie ein Kirchenlied angekündigt, und dann groovt die ganze Truppe ganz cool über das Thema Krieg hinweg.Für Chorleiter Rüdiger Schrade-Tönnißen ist Dirigieren ohnehin wie Tanzen. Der holt den Schwung tief aus den Knien und hat seiner Truppe bewundernswerte rhythmische Präzision verordnet. Die Intonation (vor allem der Soprane) hält dies Niveau nicht ganz, aber das macht nichts. Denn die Stücke haben es in sich.Intensive Probenarbeit trägt Früchte: Bei Theodorakis´ „Klagetrommel aus Asphalt“ lauert vertrackte Stimmführung, und ein Heinrich-Schütz-Psalm ist ohnehin eine Kunst für sich. Jene Zugabe, die zu Deutsch „Gott segne Afrika“ heißt, hat der Chor schon ewig im Repertoire. 1996 floss die Weise in Südafrikas neue Hymne ein, und auch bei der WM-Eröffnungsfeier war sie gerade erst erklungen. So schön kann der Puls der Zeit sich anhören.