Konzert des Chors „Die Untertanen“ Musikalischer Bogenschlag mit Botschaft

Senden - Der Chor „Die Unteranen“ bot Trotz-Lieder: Die Sänger schlugen einen weiten Bogen durch Epochen und über Kontinente.

Irgendwo zwischen Anpassung und Widerstand, zwischen Genießen und Überdruss, zwischen Lebensfreude und Auseinandersetzung sollten die Stücke liegen, versprach Chorleiter Rüdiger Schrage-Tönnißen vor Beginn des Cantaré-Konzerts. Und trotzdem: Der Untertitel „Lieder des Trotzes“ gab den Zuhörern wenig Aufschluss darüber, was sie am Samstagabend in der Friedenskapelle zu erwarten hatten.Wer verbitterte Schimpftiraden oder bockige Kampfansagen befürchtete, konnte sich schnell entspannt zurücklehnen, denn „Die Untertanen“ aus Münster gehen subtiler zu Werke. Die Gäste, die der Einladung der Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) gefolgt sind, erlebten einen Chor mit Botschaft. Quer durch alle Epochen und alle Kontinente spannten die Sängerinnen und Sänger einen musikalischen Bogen aus sehr unterschiedlichen Stücken, denen als roter Faden eins gemeinsam war: „Die Frage, wie lange halte ich den Druck noch aus?“, brachte es Schrade-Tönnißen auf den Punkt.Eine Frage, mit der sich überall auf der Welt Menschen ganz unterschiedlichen Hintergrunds auseinandersetzen.Da reihten sich rhythmisch pulsierende traditionelle Stücke aus Afrika an Psalme aus dem 16. Jahrhundert, aus dem „Geiersong“ aus dem Disney-Film „Dschungelbuch“ wurde eine scharfe Bänkersatire.Das bekannte Volkslied „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ entfaltete in diesem Kontext seine Wirkung ebenso wie „Little Shop of Horrors“ aus dem gleichnamigen Musical, zu dem die Sängerinnen und Sänger Plakate mit den Schlagworten „Sale“ oder „50% auf alles“ hochhielten.Mit der Verknüpfung eines israelischen und eines alten persischen Stückes drückten die „Untertanen“ ihre Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes aus.Leise Gedanken von Hilde Domin oder Rose Ausländer hinterließen ebenso wie die Musikstücke ihre Wirkung beim Publikum.Mit Andrea Goldkuhle (Klavier), Barbara Winter (Flöte), Pia Bode (Cello) und Uli Jost-Blome (Gitarre) griff der Chor an ausgewählten Stellen auf instrumentelle Unterstützung zurück, während er in vielen A-Capella-Stücken auf stimmlich-perkussive Elemente setze.Mit einem kleinen Block spanischsprachiger Songs aus der südamerikanischen Widerstandsbewegung glaubten sie den Kreis geschlossen zu haben.Das Publikum entließ die „Untertanen“ jedoch nach nicht weniger als drei Zugaben und mit stehenden Ovationen als Dank für einen Kulturabend mit Anspruch und Inhalt.