Konzert der „Untertanen“ in der Friedenskapelle: Unvergesslich unbequeme Fragen gestellt

„Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll?“: Um diese Frage drehte sich das Konzert des Chores „Die Untertanen“ in der Friedenskapelle.

Mit dem Auftritt des Chors „Die Untertanen“ belegten die KuKiS (Kunst- und Kultur-Initiative Senden) eindrucksvoll, dass sie ihre bereits 1992 gesetzte Zielsetzung „Kunst und Kultur in Senden zu fördern“, eindrucksvoll beibehalten haben. Denn das Konzert in der Friedenskapelle war alles andere als bloße vergnügliche Samstagabend-Unterhaltung. Schon der Titel: „Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll“, mit dem diese ungewöhnliche Gruppierung ihren Auftritt ankündigt hatte, schmolz jeden Verdacht auf „Na ja, wird schon nett werden“ fort. Um „Die Untertanen“, deren Wortschatz zwischen „A und Z“ – zwischen „Angst und Zumutung“ – variiert, genießen zu können, bedarf es weit mehr als nur akustischer Aufnahme-Bereitschaft.
Die Frage „Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll“ beantworten sie selbst: Er ist auf der Flucht! Leise, und nachdenklich, verzweifelt und fordernd, zwischen hoffnungs- und liebevoll, abgründig, poetisch, mal wütend, mal sehnsüchtig, zerren „Die Untertanen“ an den Nerven ihrer Zuhörer. Auch in Senden. In der Friedenskapelle, deren Namen im Grunde so hoffnungsvoll schimmert.

Mal visionär, wie in Konstantin Weckers Dichtung: „Ich habe einen Traum“ (arrangiert von Michael Kessler) singen sie: „Ich habe einen Traum. Wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein, alle die fliehen vor Hunger und Mord, wir lassen keinen allein.“ Mal hoffnungsvoll, wie in einem jüdischen Neujahrslied: „Nächstes Jahr, wenn der Frieden kommt, werden wir uns den einfachen Dingen des Lebens zuwenden, die wir so lange entbehren mussten. Du wirst sehen, wie gut es sein wird, nächstes Jahr.“ Wird es das? Es friert. Eine Flüchtlingsmutter: „Gestern ist mein Kind geboren, heute ist mein Kind´erfroren, morgen setz ich einen Stein. Übermorgen unterm Eise geh ich auf die große Reise, werd‘ bei meinem Kindchen sein.?.?.“

„Die Untertanen“ lassen keine Zweifel aufkommen: Sie sind besorgt. Und fragen: Wie tief genau ist eigentlich das Mittelmeer. Wird die Luft im Park schlechter, wenn nebenan ein Flüchtlingsheim eröffnet wird? Gilt eine Lebensversicherung auch auf dem Wasser? Fragen über Fragen ohne Antworten. Deshalb ihre Forderung: „Fluchtwege bitte freihalten.“ „Die Untertanen“: Unbequem, unvergesslich.