Ich habe einen Traum

Nachdenkliches Konzert - - Dass mit dem Auftritt des Chores „Die Untertanen“, etwas Besonderes zu hören und zu sehen sein würde, ...

Ein außergewöhnliches Konzert bot der Chor „Die Untertanen“ in der Josephskirche.

Dülmen. Dass mit dem Auftritt des Chores „Die Untertanen“, etwas Besonderes zu hören und zu sehen sein würde, kündigte schon das Thema des Konzertes „Wohin?“ am Sonntagnachmittag in der Josephskirche an. Am Eingang stand die Familie Al Khalel und überreichte jedem Gast ein kleines Geschenk, das sich Demah Al Khalel ausgedacht hatte. Einfach so, als Dankeschön, und als freundliche Geste, da sie seit zwei Jahren mit ihrer Familie in Dülmen lebt. „Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll“, mit dieser Frage begrüßte Chorleiter Rüdiger Schrade-Tönnißen die Gäste unterschiedlicher Nationalitäten, in der gut besuchten Josephskirche.

Seit 1981 besteht der gemischte Chor aus Münster mit etwa 30 Sängern. Ihr Repertoire umfasst Musik aus Lateinamerika, Südafrika, Europa und Asien. Ihre Lieder sprechen von Flucht, Vertreibung und Angst.

Leise, nachdenklich, verzweifelt und fordernd, und dann wieder lautstark, hoffnungsvoll und ironisch, tragen sie ihre Lieder vor. Beeindruckend die Gestaltung und Regie von Sabine Scheerer. „Ich habe einen Traum, wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein, alle die fliehen vor Hunger und Mord, und wir lassen keinen allein!“

Mit diesem Lied von Konstantin Wecker, fühlten sich viele angesprochen. Es war nicht nur akustisch hervorragend, sondern auch die Körpersprache der Sänger, die immer wieder variierte, fesselte die Zuhörer. Die zum Teil bekannten Lieder, Chansons und Klassiker wurden zum Teil instrumental begleitet oder auch a cappella gesungen.

Die Texte wurden abwechselnd vorgetragen, oft vor einem Chor, der in dunkles Licht getaucht war. Auch die Solostimmen gingen unter die Haut. Beim Lied einer Flüchtlingsmutter, gestern ist mein Kind geboren, heute ist es erfroren, sangen nur vier Sängerinnen, und alle anderen Chormitglieder hatten sich mit dem Rücken zum Publikum in den Hintergrund gestellt.

Bedrückend und beklemmend, nachdenklich und traurig.

Und dann wurde es ironisch, schwungvoll und mit kräftigen Stimmen wurde das Lied, die Zigeuner kommen in die Stadt vorgetragen.

In der Pause konnten die Gäste Taschenbücher erwerben, mit dem Titel, tschüss sagen, ist was anderes. Es sind Geschichten von Syrern, die in Emsdetten Deutsch gelernt haben, und über ihre Erfahrungen berichten.

 „Ein außergewöhnliches, hervorragend gestaltetes Konzert“, dieser Meinung waren nicht nur Martina und Paul Overhoff aus Marl. Mit einem jüdischen Neujahrslied, einem Volkslied aus Ungarn, Lieder aus Deutschland bis Südafrika und der wiederkehrenden Frage, wohin geht der Mensch, verabschiedete der Chor ein beeindrucktes Publikum.

Bei einem kleinen Imbiss, mit typischen Kleinigkeiten aus ihrer jeweiligen Heimat, den einige Dülmener Mitbürger vorbereitet hatten, konnten sich die Besucher über die Themen, Flucht und Vertreibung noch miteinander austauschen.